Hallo Jutta,
oh je, da hast Du aber einiges falsch interpretiert.
Zum einen: Wir sind durchaus keine Laien, die hier mit Marderchen spielen. Wir nehmen unsere Aufgabe sehr ernst und helfen Menschen und Tieren bei der Aufzucht und Auswilderung von Steinmardern in ganz Deutschland. Unsere Erfahrungswerte beruhen auf vieljährigen Studien und Austausch mit diversen Organisationen wie NABU, Wildtierhilfe Erdmann, Otterzentrum Hankesbüttel, uvm.
So ein Forum ist eigentlich nicht unsere Plattform für Beratung, da ich aber hier immer wieder Texte wie : "Das ist ja sooo süß" , "ich werde es behalten" , "kann ich es an die Leine gewöhnen ?" und "wir behalten es im Haus" gelesen habe, sah ich Grund diesen Menschen etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen und deutlich zu machen, dass es nicht nur Spaß bedeutet, so ein Wildtier aufzuziehen.
Diese Plattform ist jedoch nicht der geeignete Platz, wissenschaftlich zu argumentieren. Alle die mehr über Aufzucht wissen wollen, sollten dann ja unsere Homepage oder geeignete erfahrene Marderspezialisten kontaktieren.

Die Mißverständnisse:
- meine Marderchen sind und waren nie im Haus. Freilaufend bedeutet nicht dass sie im Haus leben. Im Gegenteil ! Nur die kleinen, max. bis 8. Woche werden in einem Laufstall im Haus solange gepflegt, bis sie fähig sind in unserem eigens dafür gebauten Marderhaus (ca. 10 qm) mit anschließendem Freigehege (ca. 300 qm) auf die Auswilderung vorbereitet zu werden. Das Haus und der Kontakt zu Menschen (außer mir) ist nach dem Milchfläschchenalter tabu. Unsere Aufzuchten sind und waren immer so scheu, dass die selbst den Kontakt zu mir ab Herbst von selbst eingestellt haben.
- Das Permanentgebiß eines Steinmarders ist mit der 16. Woche abgeschlossen - er kann dann zu jeder Zeit feste Nahrung aufnehmen und auch reißen. Wie kommst du denn bloß auf Herbst ? Auch gehören ausgewachsene Ratten nicht zu der Standardnahrung von Mardern, schon gar nicht von Jungmardern.
Außerdem hatte ich auch schon öfter bei Jungmardern Ende Juni , Anfang Juli , also im Alter von ca. 3,5 Monaten eine Doppelzahnung d.h. das Gebiß hat die Wurzeln der Milchzähne noch nicht aufgelöst und schiebt schon das Erwachsenengebiß raus.
- Obst direkt nach der Milch sehen wir als sehr kritisch, da der Säugermagen noch nicht vollständig auf die Verdauung von Obst-Enzymen eingestellt ist. Wir lehnen uns da sehr an das natürliche Futterangebot der Natur an. Da es im Mai und Juni noch kein reifes Obst gibt, sowieso keine Bananen, die außerdem in diesem Alter Verdauungsschwierigkeiten machen - bringen die Mardermütter ab der 7. Woche kleinere Beutetiere zu ihren Jungen, damit sie die ersten Lutsch- und Kauversuche machen können. Beute gerissen wird in diesem Alter sowieso noch nicht.
Da die Aufzuchtsmilch nicht genug Ähnlichkeit mit der Muttermilch hat, muß dringend Calzium und Magnesium in organischer Form ergänzt werden um Mangelerscheinungen vorzubeugen. Dazu nehmen wir in der Anfangszeit gerne ein Hochwertiges Kittenfutter und steigen dann sehr schnell auf Küken um.
- Futterkalk und Knochenmehl: Im Zoohandel erhältliches Knochenmehl kann zu lebensgefährlichem Knochenkot und Verstopfung führen. Hier muß sehr sparsam dosiert werden. Außerdem ist es anorganisch und kann vom Körper nicht richtig aufgenommen werden.
Wir ergänzen das Futter mit frischem Knochenmehl vom Metzger.
- Schokolade führt zu Verstopfungen und ist in größeren Mengen toxisch. Bei einer Katze führt ein Riegel von mehreren Stückchen Zartbitter, unweigerlich zum Tode.
- Ausflüge: Die Kleinen einfach alleine loslaufen zu lassen sehe ich als sehr gefährlich. Die Mardermutter begleitet die Kinder bis Juli und ist in Gefahrensituationen zur Stelle um Hilfe zu leisten.
Steinmarder sind sehr Ortstreu. Sie irgendwo auszusetzen wäre lebensgefährlich. Sie müssen Anfangs die Möglichkeit bekommen die Kreise immer größer werden zu lassen und sich dann von selbst ein Revier zu suchen. Neben dem Menschen ist der größte Feind der Reviermarder, dem sie sich in einer kleinen Gruppe (aber mindestens zu zweit) leichter stellen und erwehren können. Es fehlt ja nach wie vor die Mutter. In der Gruppe lernen sie leichter und schauen vom anderen ab. Aus eigener Erfahrung weiß ich wie oft Jungmarder verunglücken. Und oft sogar gefährlich. Ich konnte das bei meiner letzten Truppe bald täglich miterleben.
Wenn Marder einfach losgelassen werden, bekommt man solche Dinge natürlich nicht mit – aus den Augen aus dem Sinn – nach dieser Devise handeln wir nicht.
- Leider kann ich hier bei mir vorerst nicht mehr auswildern, da meine Gruppe vom letzten Jahr die ansäßige Reviermarderin erfolgreich vertrieben haben und das Revier nun von einem Rüden aus der Gruppe eingenommen wurde. Die anderen sind bereits abgewandert und waren selbständig.
Wir denken es gilt einfach zu beachten dass Handaufzuchten länger brauchen für Ihre Entwicklung und man Ihnen diese Zeit auch geben sollte. Es fehlen Ihnen die Unterrichtsstunden Ihrer Mütter und daher müssen sie ihre eigene Erfahrungen sammeln, das braucht eben Zeit.
- Marder = Kannibalen ? Wo kommt das denn bloß her ? Solange der Geschwisterverband sich noch eng im Nest befindet (bis ca. 7. Woche) bekommen die Marder das Essen von ihrer Mutter serviert und reißen noch keine Beute und anschließend sind die Mardermütter mit ihren Kinder unterwegs und sie zeigt den Kinder wie man jagt. Hier entstehen dann die Jagd- und Beutespiele der Jungen, die aber nicht zu blutigen Kämpfen, geschweige denn zu Kannibalismus ausarten. Marder sind später Einzelgänger und es kommt durchaus zu Revierkämpfen. Diese Kämpfe enden jedoch meist unblutig indem der schwächere das Weite sucht. Selbst ein knappes Futterangebot führt nicht zu Kannibalismus. Mal abgesehen von einem langen harten Winter findet ein Marder immer genug zu fressen. Wir füttern Küken (mind. eins pro Marder) auch noch über den Winter um den Handaufzuchten die Möglichkeit zu geben den Vorsprung der Wildlebenden auszugleichen und die nötigen Kräfte zu sammeln.
Mein Beitrag in diesem Forum war auch nicht für Auswilderungsprofis gedacht - denn die brauchen sicher andere Infos. Aber einem 12-jährigem Mädchen, dass ein sooo süßes Marderchen unbedingt behalten will - bringt es erstmal nichts, mit Stoffwechelsproblemen und Stereotypien konfrontiert zu werden. Hier sollte ein einfacher Text auf die Verantwortung hinweisen.
Für eingehendere Fragen haben wir unsere Homepage erstellt.
Steinmarder - Aufzucht & Auswilderung. Wir beraten und helfen bis die Marder erfolgreich ausgewildert sind. Das alles Ehrenamtlich und mit fundiertem Wissen und Gewissen.
Viele Grüße
Karin