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Woher bekomme ich ein Tier?

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    Christin85 Christin85 ist offline
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    Woher bekomme ich ein Tier?



    Woher bekomme ich ein Tier?
    Vor der Anschaffung eines Tieres ist jeder Mensch verpflichtet, sich über die Bedürfnisse seines zukünftigen Haustieres klar zu werden und sich über Haltungsansprüche zu informieren. Dazu gehört es auch zu wissen, worauf beim Kauf eines Tieres zu achten ist. Jeder muss für sich selbst überlegen, wofür er sich entscheidet. Mit folgenden Stichpunkten möchten wir dabei helfen.



    Der gute Züchter – woran erkenne ich den?

    Die meisten Haustiere, die vom Züchter stammen, sind sicherlich Hunde. Inzwischen gibt es auch Zuchtverbände anderer Tierarten, der Text ist deshalb allgemein gehalten und kann nicht immer eins zu eins übertragen werden.


    - es handelt sich um einen, bei einem Zuchtverband eingetragenen Züchter, er kann die Papiere seiner Zuchttiere nachweisen (außerdem: Gesundheitszeugnisse, Wesensbeurteilung). Jeder Käufer muss sich vor dem Gang zum Züchter informieren, welche Rasse zu ihm passt und auf welche Zuchtverbände er vertraut!

    - Die Jungtiere werden nicht isoliert und eingesperrt gehalten, sondern haben viel Sozialkontakt zu Menschen/Artgenossen, evtl. anderen Haustieren. Sie leben im Haushalt des Züchters.

    - Die Mutter ist im zuchtreifen Alter und hat nicht mehr als die zugelassene Anzahl an Würfen pro Jahr.

    - Die Elterntiere, zumindest aber die Mutter, ist vor Ort, zeigt im Umgang mit ihren Jungtieren ein offensichtlich „normales, bzw. ausgeglichenes“ Verhalten (bei Hunden: Die Mutterhündin lässt sich anfassen!)

    - Die Jungtiere dürfen auch vor der Übernahme regelmäßig besucht und angefasst werden (keine Ausreden wie Infektionsschutz o.ä.). Die Tiere dürfen auch direkt an ihrem Aufenthaltsort angesehen werden, Misstrauen ist angesagt, wenn die Jungtiere vom Züchter geholt und woanders gezeigt werden.

    - Es ist nur ein aktueller Wurf und nur eine Zuchtrasse „im Angebot“

    - Der Züchter macht einen routinierten und sachkundigen Eindruck und kann mit seinen Tieren umgehen, er nimmt sich Zeit und kann alle Fragen ausführlich beantworten.

    - Alle vorhandenen Tierunterkünfte sind sauber, die Tiere machen einen gepflegten und vom Wesen her ausgeglichenen Eindruck, wirken keinesfalls kränklich, unter- oder überernährt. Je nach Tierart (bitte vorher erkundigen) sind die Elterntiere gültig geimpft und regelmäßig entwurmt (dem Impfpass zu entnehmen).

    - Die Jungtiere werden nicht zu früh von der Mutter getrennt und abgegeben und verhalten sich neugierig und aufgeschlossen, wie es für die jeweilige Art typisch ist.


    Der gute Zoofachhandel – woran erkenne ich den?

    Auch wenn ein Zooladen auf den ersten und sogar auf den zweiten Blick einen seriösen Eindruck macht, so sollte man dennoch immer bedenken, dass man nur das zu sehen bekommt, was man als Käufer sehen soll. Man weiß nicht, aus welchen Quellen die dort verkauften Tiere stammen. Und vor allem: Für jedes verkaufte Tier steigt der Umsatz und die Nachfrage, für jedes verkaufte Tier rückt mindestens ein weiteres nach.


    - je größer das Angebot, desto mehr spezialisierte Fachkräfte müssen zur Verfügung stehen, das gilt vor allen Dingen bei Zooläden, die Reptilien, Spinnen und andere Exoten anbieten.

    - Im Geschäft arbeitet Fachpersonal (nachfragen ist natürlich erlaubt).

    - Die Tiere werden erst ab einem bestimmten Abgabealter abgegeben (der Käufer hat sich darüber zu informieren).

    - Die Tiere sind zuverlässig nach Geschlechtern getrennt (bei Jungtieren ist das v.a. für Laien schwer zu erkennen!).

    - Das Personal berät ausführlich, fragt nach, wie das Tier gehalten werden soll. Gesellschaftstiere (z.B. Kaninchen, Meerschweinchen etc.) werden nicht einfach so einzeln verkauft. Fragen können ausführlich beantwortet werden.

    - Im besten Fall erlebt man auch, dass einem Kunden vom Kauf eines Tieres abgeraten wird, bzw. angeraten wird, seine Haltungsbedingungen erst zu optimieren, bevor ein Tier angeschafft wird.

    - Tiere werden an Jugendliche unter 16 Jahren nicht verkauft.

    - Die Tiere haben viele Rückzugsmöglichkeiten, wirken aufgeweckt und sind neugierig. Vielfach fehlen Verstecke, weil die Tiere ja gesehen werden sollen.

    - Einzeltiere werden auch einzeln gehalten (z.B. erwachsene Goldhamster).

    - Alle Fragen bezüglich der Geschlechtsreife, der Lebenserwartung u.a. können sofort beantwortet werden.

    - Die Tierunterbringungen sind nicht zu klein und haben tierarttypische Einrichtung, z.B. Versteckmöglichkeiten, Wasserbad, Klettermöglichkeiten, Strahler etc.

    Das gute Tierheim – woran erkenne ich das?
    Es gibt nur wenig städtische Tierheime, die meisten werden von einem privaten Tierschutzverein über Spenden finanziert. Je nach Vermögen, Größe und Finanzierung unterscheiden sich Tierheime teils erheblich in der „Qualität“. Im Tierheim findet man sowohl geeignete „Einsteigertiere“, als auch echte Härtefälle, die nur für sehr erfahrene Halter geeignet sind.

    - das A und O für die gelungene Übernahme eines Tierheimtieres ist die Beratung, die ausführlich über alle bekannten (positiven wie negativen) Eigenheiten des Tieres aufklären soll. Ziel der Tiervermittlung ist nicht die Vermittlung eines Tieres, sondern die dauerhafte Unterbringung in einem neuen Zuhause, die nicht nur dem Tier, sondern auch den neuen Haltern gefällt.

    - Das Tierheim leistet sich (zumindest ab einer gewissen Größe) mind. einen ausgebildeten Tierpfleger.

    - Das Personal geht offen auf alle Tierheimbesucher zu und kann Fragen ausführlich beantworten.

    - Bei Interesse für ein Tier wird ausführlich nachgefragt, wie es gehalten werden soll. Ansprüche und Eigenheiten des Tieres werden erklärt.

    - Das Tier macht einen gesunden Eindruck, je nach Tierart ist es gültig geimpft, entwurmt und gechipt/tätowiert. Wünschenswert ist bei Abgabe ein kurzer, vorheriger Tierarztcheck. Bei entsprechenden Tierarten wird auch z.B. der Impfpass und die Registrierung gekennzeichneter Tiere (zumindest auf Nachfrage) erklärt.

    - Bei Übernahme eines schwierigen oder kranken Tieres wird viel Zeit investiert und alle bisherigen Bemühungen (z.B. tierärztliche Untersuchungen und deren Ergebnisse; Futterumstellung; Besuche bei Hundetrainern etc.) aufgezeigt. Ein schlechtes Zeichen ist, wenn es weiterführende Bemühungen für das Tier gar nicht gab.

    - An schwierige Tiere kann der betreuende Pfleger Interessenten sicher heranführen, man wird nicht „alleine“ stehen gelassen, das Personal zeigt einen sicheren Umgang mit den anvertrauten, zu versorgenden Tieren.

    - Die Tierunterkünfte sind sauber und die Tiere gepflegt, das Personal ist regelmäßig bei über den Tag immer wieder neu anfallenden Reinigungsarbeiten zu sehen.

    - Kranke, stressanfällige Tiere u.a. sind separat, den Besuchern nicht direkt zugänglich untergebracht.

    - Für jeden Bereich ist eine Quarantänestation eingerichtet, die den Besuchern nicht zugänglich ist.


    Tiere aus schlechten Verhältnissen helfen?!

    Es gibt Situationen, aus denen man Tieren instinktiv sofort helfen möchte, weil sie unter unwürdigen Bedingungen gehalten werden. Dennoch sollte man sich eine solche Übernahme gut überlegen.
    Man sollte niemals Tiere aus schlechten Verhältnissen „raus kaufen“, denn damit unterstützt man den Verkäufer finanziell in seinem Tun. Bestes Beispiel hierfür ist z.B. der „Hunde-Polenmarkt“, für einen verkauften Hund, kann sich der Verkäufer zwei neue anschaffen, um sie dann wieder gewinnbringend zu verscherbeln…

    Auch vielen Privatpersonen möchte man gerne die Haustiere abschwatzen, weil sie furchtbar schlecht gehalten werden. Das macht aber nur dann Sinn, wenn anstelle des Tieres kein neues mehr angeschafft wird.
    Wenn man an der Ursache nichts ändern kann, kann man zwar Symptome heilen, also den geretteten Tieren in diesem Fall helfen, aber es bleibt ein „Fass ohne Boden“.

    Auch man selbst sollte über ausreichend fundierte Kenntnisse verfügen, denn nicht alle geretteten Tiere sind „dankbar und einfach“, sondern machen häufig auch viele ungeahnte Probleme.
    Wem Tiere auffallen, die schlecht gehalten werden, der sollte nicht zögern, dies bei der Polizei anzuzeigen und das Veterinäramt, sowie den örtlichen Tierschutzverein zu informieren.


    Vorsicht bei „reinrassigen Sonderangeboten“


    Häufig liest man in den diversen Anzeigeportalen/Zeitungsannouncen, daß reinrassige Tiere, oder Mischlinge aus bekiebten Rassen, ohne Stammbaum abgegeben werden. Diese liegen im Preis meist zwischen dem, was ein Rassetier mit Papieren kostet, und der Vermittlungsgebühr für Tierheimtiere.
    Eigentlich klingt das ja verlockend – ich bekomme ein reinrassiges Tier, für weniger Geld als beim eingetragenen Züchter, und wer braucht schon Papiere?
    Die Sache hat aber gleich mehrere Haken!
    Ein Punkt, der zum Nachdenken anregen sollte, ist, daß die „Papiere“, also der Stammbaum und ggf. Auszeichnungen von Ausstellungen, gar nicht so teuer sind. Sie machen nicht einen Preisunterschied von mehreren hundert Euro aus.
    Was also macht diese Tiere dann so günstig im Vergleich zu Rassetieren mit Stammbaum?
    Die Antwort lautet meistens leider: Es wird auf Kosten der Tiere gespart. Da werden nötige und sinnvolle Gesundheitsuntersuchungen vor der Verpaarung nicht gemacht (denn die sind teuer). Die Jungtiere werden oft zu früh (um Kosten einzusparen) und ungeimpft/nicht entwurmt abgegeben.
    Und das ist noch das Geringste. Manchmal muß auch das Muttertier einen Wurf nach dem anderen haben, damit es sich rechnet, und es wird an der Qualität des Futters und anderen Zubehörs gespart. Auch wird oft nicht darauf geachtet, ob die Elterntiere überhaupt zuchttauglich und charakterlich geeignet für das Aufziehen von Jungtieren sind. Und die Reinrassigkeit hält sich auch in Grenzen-es genügt ja, wenn das Tier auf den ersten Blick so aussieht, als ob es reinrassig wäre.
    Schlimmstenfalls werden die Welpen billig in osteuropäischen Ländern eingekauft, wo sie in Massen „produziert“ werden. Diese Tiere sind fast immer krank und psychisch schwer angeschlagen.
    Letztendlich zahlen bei dieser Art Käufe zwei drauf: Das Tier und sein Käufer/zukünftiger Besitzer. Denn es fallen unter Umständen hohe Tierarztkosten an, weil das Tier doch nicht so gesund war, wie es erst den Anschein hatte. Das können vorrübergehende Krankheiten sein, aber auch chronische oder tödlich verlaufende.
    Der Verkäufer des Welpen aber macht Gewinn, er hat das Geld ja erhalten und kann weiter „reinrassige“ Tiere produzieren, solange ein Markt da ist und es Menschen gibt, die mehr oder weniger bewusst diese „Sonderangebote“ kaufen.


    Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, wir freuen uns aber über Anregungen und Kritik, um sie nachhaltig verbessern zu können.


 

 

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